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Der Tango wurde in
der Umarmung geboren...
 
Daniel Vidart
Über die Geschichte des Tango

 
"Zu Anfang und vor allem anderen war der Tango ein Tanz. Erst danach machte er Veränderungen zum Gesang durch, doch zu dem, was Gardel singt, kann keiner tanzen; dem Magier muss man mit dem Kinn auf die Faust gestützt zuhören, wenn sanfter Regen in den Straßen der Stadt und in der Erinnerung aufkommt." Literaturempfehlung
(z.T. antiquarisch)

"Der Tango wurde als populärer Tanz geboren.
Schon bevor man seine klanglichen Eigenschaften im eindringlichen Zweivierteltakt festlegte, gab es die Szenarien - in Montevideo wie in Buenos Aires - von denen aus er zur Eroberung der Welt antrat.
Zuerst waren da die Zimmer der Kasernenmädchen, Mitte des XIX. Jahrhunderts. Dort tanzte man Mazurkas, Walzer, Chotis und Danza Cubana 'auf Französisch'. In den Pausen erschienen Milongueros, Stehgreifdichter und Sänger vom Stadtrand. Die zu diesen Tänzen kamen 'gingen zur Milonga'. Es gab auch Lokale in der Hafengegend, wo die Seeleute von den Antillen mit ihren Habaneras einliefen, die in ihrer afroamerikanischen Laszivität viel direkter waren als die 'Tänze auf Französisch'.

...Hier begann man die Choreographie mit Corte y Quebrada (typischen Bewegungen im Tango), unbekannten Figuren bei den Kasernen-Milongas. Ohne weitere Nebenbedeutung als der des Tanzes selbst, taucht der Tango am Rande des Bordells auf, das ihn dann genüsslich vereinnahmt.
Die ersten Tüftelecken, in denen man seine Choreographie destillierte, waren die Academias Montevideos und die Casas de Baile von Buenos Aies. Die italienische Immigration führt in den Peringundines von Buenos Aires, den Erben der Tanzhäuser, die Akordeone ein, und mit ihnen beginnt der Tango zu weinen, und den Weg für die tränenreichen Texte zu bereiten.
Die nächste Etappe ist die massive Verbreitung. Das Nationaltheater nimmt den Tango unter die abgemagerten Fittiche des Lustspiels.

...Der wilde Tango der Academias und Peringundines, der bissige Tango des in virtuosen Schritten verzahnten Paares, beginnt sich zu domestizieren. Er wird ornamental, vergnügt, quasi für Unterrichtszwecke geeignet. Kurz, er vermasst. Er richtet sich in den Bordellen ein, erobert die Familientänze der Innenhöfe, wo man den 'Tango der Schwestern' tanzt. Danach stürzt er wie ein entfesselter Stein zur Eroberung der Welt, springt von den Rändern des La Plata zum Trampolin Paris."

(aus D. Vidart, 1967:
Realidad e imaginación del tango danza. Übers.: A. Mága)

 

unsere Literaturempfehlungen zum Tango >
(z.T. allerdings nur antiquarisch zu bekommen...)

Fernando O. Assunção: El Tango y sus circunstancias,
  Ed. El Ateneo, Bs. Aires 1984, ISBN 950-02-8366-2
María Susana Azzi: Antropología del Tango,
  Ed. de Olavarría, Bs. Aires 1991, ISBN 950-43-3493-8
Andrés M. Carretero: El Compadrito y el Tango, Ed. Pampa y Cielo, Bs. Aires 1964
Andrés M. Carretero: Tango, Testigo social,
  Ed. Continente S.R.L., Bs. Aires 1999, ISBN 950-754-059-8
Sergio Pujol: Historia del Baile, EMECÉ
  Ed. S.A., Bs. Aires 1999, ISBN 950-04-2064-3
Horacio Salas: El Tango, Ed. Planeta S.A.I.C.,
  Bs. Aires 1986, ISBN 950-37-0219-4
  (dt. Übers. erschienen bei Abrazos Verlag)
Noemí Ulla: Tango, rebelión y nostalgia,
  Centro Editor de Am. Latina, Bs. Aires 1982, ISBN 950-25-0632-4
Daniel Vidart: El Tango y su Mundo, Ed. Tauro S.R.L., Montevideo 1967

... und in deutscher Sprache: >


Künstlerhaus Bethanien (Hrsg): Melancholie der Vorstadt: Tango,
  Begleitbuch zum Horizonte-Festival Berlin 1982
  Frölich & Kaufmann GmbH 1982, ISBN 3-88725-016-8
Arne Birkenstock u. Helena Rüegg: Tango,
  Deutscher Taschenbuch Verlag 1999, ISBN 3-423-24182-9
Gabriela Hanna: Así bailaban el Tango,
  Metro Verlag Berlin 1993, ISBN 3-928282-04-2
Nicole Nau-Klapwijk: Tango-Dimensionen,
  Kastell Verlag GmbH 2001, ISBN 3-924592-65-9
Michel Plisson: Tango,
  Palmyra Verlag 2001, ISBN 3-930378-42-6
Dieter Reichardt: Tango,
  Suhrkamp Taschenbuch 1984, ISBN 3-518-37587-3
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